aus der Rotenburger Kreiszeitung vom 23.05.2011
„Hier wird Gemeinschaft statt Anonymität gelebt“
Scheessel - Von Ulla Heyne
Der Waldorfkindergarten in Scheeßel hat seit vielen Jahren seinen festen Platz im Betreuungsangebot für die Kleinsten. Gerade wurde ein neuer Vorstand gewählt. Was ist zu erwarten? Wir fragten bei Hendrik Porthmann und Claudia de Haan vom Vorstand nach.
Die Vorstandsmitglieder des Waldorfkindergartens in Scheeßel, Hendrik Porthmann und Claudia de Haan, wollen noch mehr Eltern von ihrem Konzept überzeugen. ·
In Scheeßel und Umgebung gibt es ein reichhaltiges Kindergartenangebot, vom klassischen „Dorfkindergarten“ über Integrationskindergarten bis zu Einrichtungen mit musikalischer oder naturnaher Ausrichtung. Was macht den Waldorfkindergarten so besonders?
De Haan: Wir fühlen uns dem pädagogischen Ansatz von Rudolf Steiner verpflichtet. Wir wollen den Kindern nichts Fertiges vorsetzen, sondern mit vielen Naturmaterialien deren Kreativität fördern. Die Kinder können sich ausprobieren und es gibt keine Überfrachtung mit Impulsen. Schließlich ist diese erste Zeit prägend! Wir halten es mit dem Schriftsteller Paul von Heyse: „Erdachtes mag zu denken geben, doch nur Erlebtes wird beleben“.
Porthmann: Dabei helfen feste Rituale und Tagesabläufe wie der Morgenkreis, Reigen – auch beim Essen. Da gibt es einen Brötchentag, Müslitag, Milchreistag. Wer weiß, was einen erwartet, ist frei von Ängsten.
Baukreis, Wirtschafts- und Initiativkreis, Gartensonnabende – Waldorfeinrichtungen stehen in dem Ruf, dass Eltern sich in hohem Maße einbringen müssen. Wie begegnen Sie dieser Befürchtung?
Porthmann: Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, schließlich ist unser Kindergarten ja aus einer Elterninitiative heraus entstanden und lebt nach wie vor durch Elternengagement. Ich habe selbst zunächst gedacht: ‚Ist das aber viel Arbeit!‘ Aber neben der Möglichkeit, Dinge selbst aktiv zu prägen hätte ich nicht geglaubt, dass es so viel Spaß macht – sonst wäre ich jetzt nicht im Vorstand (lacht). Die Eltern lernen sich schnell näher kennen, hier wird Gemeinschaft statt Anonymität gelebt und der Zusammenhalt ist stark.
De Haan: Durch unser Engagement, zum Beispiel bei den Vorbereitungen für das Kulturfestes am 29. Mai, bekommen die Kinder mit, wie wichtig uns der Kindergarten ist, quasi eine erweiterte Familie. Das hat auch eine Vorbildfunktion. Kinder lernen ja am besten durch Vorleben.
Neue Besen sollen ja bekanntlich gut kehren. Was haben Sie konkret vor?
Porthmann: Wir haben zum ersten Mal die Funktionen aufgeteilt – Ich kümmere mich um die Finanzen, Zuschüsse von der Gemeinde und vom Landkreis und Personalplanung, Frau de Haan um Pädagogik, unser Leitbild und Öffentlichkeitsarbeit. Auch an uns gehen sinkende Kinderzahlen nicht vorbei, und wir wollen verstärkt an unserer Außenwirkung arbeiten, etwa durch einen neuen Internetauftritt oder Präsenz auf dem Scheeßeltag oder eben durch unser Kulturfest, wo wir einen Einblick in unsere Arbeit geben.
De Haan: Außerdem wollen wir der verstärkten Nachfrage gerade von Eltern mit zweijährigen Kindern nachkommen und wieder einen Spielkreis an drei Vormittagen pro Woche anbieten. Dazu läuft bereits die Anmeldefrist. Auch in unseren regulären Gruppen sind noch Plätze frei.










