Krippe

Seit dem 01.11.2011 betreibt der Waldorfkindergarten Scheeßel in der Sternschnuppengruppe eine Krippe mit
10 Plätzen
für Kinder im Alter von 1-3 Jahren. Die Krippe hat von 8 bis 14 Uhr geöffnet – wir bieten zudem einen Frühdienst von 7.30 – 8.00 Uhr an.

Wenn Sie Interesse an einen Krippenplatz haben, wenden Sie sich bitte an unsere Leiterin, Frau Tasja Wilkens unter (04263) 33 48.

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Das kleine Kind lernt durch Nachahmung. Das ist eine spezifisch menschliche Art des Lernens. Orientierungshilfen geben, liebevolles Vorbild sein und die Spielräume des Kindes schützen, sind die pädagogische Kernaufgaben vor der Schulzeit.

Weltbegegnung und Nachahmung

Schauen wir zunächst auf das ganz kleine Kind, so sehen wir: Ein Säugling ist überaus offen für alle Eindrücke. Sehr bald entwickelt sich ein „Dialog mit der Welt”. Das Kind reagiert aktiv auf die Hinwendung der Mutter oder des Vaters. Und in dieser Begegnung von Ich und Du fängt das Kind an sich selbst wahrzunehmen. Dabei geschieht die Verarbeitung der von außen einströmenden Eindrücke noch eher träumend. Es dauert eine Weile, bis das Kind sich als ein Selbst bewusst wahrnimmt. Aber es ist trotzdem nicht hilflos den vielen Eindrücken ausgesetzt. Es „antwortet” und wird sich lustvoll dahin wenden, wo es den Kontakt als angenehm erlebt, wo etwas in ihm zum Klingen kommt. Und das, was es wahrnimmt, ahmt es nach.

Die Fähigkeit nachzuahmen unterscheidet den Menschen von allen anderen Wesen. Der aufrechte Gang, die Sprache und das Denken werden durch Nachahmung erlernt. Wenn ein Kind nicht unter Menschen aufwächst oder keine Zuwendung erhält, kann es diese grundlegenden Fähigkeiten nicht oder nur unzureichend erwerben.
Der Prozess der Nachahmung ist eine zutiefst schöpferischer Tätigkeit und kein Ausgeliefertsein. Ganz im Gegen-teil! Das kleine Kind verarbeitet durch seine Nachahmung Eindrücke und schafft sie aus der Sache heraus gewissermaßen neu. Das ist ganz wichtig zur Angstbewältigung. Das Kleinkind ist ja einer Fülle von Eindrücken ausgesetzt, die es nicht verstehen oder einordnen kann. Durch sein Nachahmen macht es sich nun die Welt zu eigen. Hennig Köhler beschreibt den Nachahmungsvorgang des kleinen Kindes als einen schöpferischen Wahrnehmungsprozess, weil „der Künstler im Menschen, die Seite des Menschen, wo er sich als gestaltendes, schöpferisches Wesen erlebt, diejenige Kraft ist, die am Gegenpol der Angst steht. (1) In der Nachahmung begegnen sich Eindruck und Ausdruck. Rudolf Steiner sagt in seinem Vortragszyklus „Die Erziehungsfrage als soziale Frage”, dass in der Nachahmung der Keim zur Freiheit des Menschen liegt. Dieses Lernen im Dialog mit der Umwelt führt zum allmählichen Erwachen des bewussten Ichs.

Bei diesem indirekten Lernen, auch „implizites Lernen” genannt, stehen Tätigkeiten und Wahrnehmungen des Kindes im Vordergrund und nicht gedankliche Operationen und Reflexionen. Das Lernen gestaltet sich dabei auch in einem ständigen Wechselbezug zur Leiblichkeit. Das Kind öffnet sich mit allen Sinnen den Einflüssen und Eindrücken seiner Umgebung. Die Erfahrungen, die es dabei macht, werden gleichsam in seine noch so bildbare physische Konstitution eingearbeitet. „Es gibt zwei Zauberworte, welche angeben, wie das Kind in ein Verhältnis zu seiner Umgebung tritt. Dieses sind: Nachahmung und Vorbild… Was in der physischen Umgebung vorgeht, das ahmt das Kind nach, und im Nachahmen gießen sich seine physischen Organe in die Formen, die ihnen bleiben.”

Rita Pätzold